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Betriebssysteme für den Server erstellen erstellt von Thorsten Eggeling's avatar Thorsten Eggeling
**Grundsätzlich eignet sich jede Linux-Distribution für den Einsatz als Server. Meist ist es jedoch einfacher, ein explizites Serversystem einzurichten, das sich passend vorkonfigurieren lässt.**
Ein Standard-Linux kann jede Rolle übernehmen, spezielle Serverdistributionen sparen jedoch Systemressourcen, weil sie auf die Desktopoberfläche verzichten. Wichtige Serverdienste wie SSH-Fernwartung können schon bei der Installation aktiviert werden und spezielle Distributionen für Dateiserver bieten ab Installation eine komfortable Weboberfläche. Die Entscheidung für ein bestimmtes System fällt leichter, wenn Sie es zuerst in einer virtuellen Maschine ausprobieren und erst danach auf dem PC installieren. Wir gehen in diesem Artikel davon aus, dass Sie eine eigene Hardware (PC oder Platinenrechner) als Server verwenden und darauf nur ein Betriebssystem laufen soll.
Die meisten der in diesem Artikel genannten Systeme werden als ISO-Datei ausgeliefert, die Sie für Tests in Virtualbox direkt verwenden können. Für die Installation auf dem PC benötigen Sie einen USB-Stick, auf den Sie den Inhalt der ISO-Datei mit USB Imager (auf Heft-DVD) übertragen. Auf eine SD-Karte für den Raspberry Pi gelangt die Software über das Tool Raspberry Pi Imager (www.raspberrypi.com/software), mit dem Sie das gewünschte System herunterladen und einrichten.
## Ubuntu Server installieren
Ubuntu Server nutzt die gleiche Basis wie Desktop-Ubuntu oder Linux Mint. Es fehlt allerdings die grafische Oberfläche, und bei der Installation kann man gleich den SSH-Server und einige Snap-Pakete für Webanwendungen installieren.
**Schritt 1:** Laden Sie die ISO-Datei über https://ubuntu.com/download/server herunter. Ubuntu Server ist auch für den Rasp­berry Pi verfügbar.
**Schritt 2:** Im Installationssystem folgen Sie den Anweisungen des Assistenten. Wählen Sie Sprache und Tastaturbelegung und entscheiden Sie sich bei der Auswahl der Installationsbasis für „Ubuntu Server“. „Ubuntu Server (minimized)“ ist für spezialisierte Umgebungen gedacht, in denen man nur die wirklich nötigen Programme später manuell installieren möchte. Im Schritt „Guided storage configuration“ übernehmen Sie die Vorgaben. Der Installer richtet die Festplatte als Teil einer LVM-Gruppe ein (Logical Volume Manager). Der Vorteil: Sie können später weitere Datenträger zur Gruppe hinzufügen und den Speicherplatz bei Bedarf erweitern. Aktivieren Sie „Install OpenSSH Server“, damit Sie sich gleich nach der Installation über SSH mit dem Server verbinden können. Der Installer bietet außerdem einige Snap-Pakete zur automatischen Installation an, beispielsweise Nextcloud (siehe Artikel ab Seite 30).
**Schritt 3:** Nach der Installation gehen Sie auf „Reboot Now“. Nach dem Serverstart probieren Sie die SSH-Verbindung auf Ihrem Arbeitsrechner im Terminal aus:
`ssh [User]@[Servername]`
Ersetzen Sie die Platzhalter mit dem konfigurierten Benutzer- und Servernamen.
## Debian als Server nutzen
Eine Alternative zu Ubuntu ist Debian, mit dem Ubuntu verwandt ist. Das System bietet einen universellen Netzwerkinstaller, über den Sie auch einige Serverdienste einrichten können. Debian eignet sich vor allem für Nutzer, die ein klassisches Open-Source-System bevorzugen und Snap-Apps oder kommerzielle Optionen wie Ubuntu Pro nicht benötigen und gerne vermeiden.
**Schritt 1:** Laden Sie die ISO-Datei per Klick auf „64-bit PC netinst iso“ von www.debian.org/distrib herunter. Nutzer eines Raspberry Pi verwenden Raspberry-Pi-OS Lite (ohne Desktopumgebung), das auf Debian basiert.
**Schritt 2:** Nach dem Start des Installationssystems wählen Sie Sprache sowie Tastaturbelegung und folgen den Anweisungen des Assistenten. Im Fenster „Softwareauswahl“ entfernen Sie die Häkchen vor „Debian desktop environment“ und „Gnome“, wenn Sie ohne Desktopumgebung auskommen wollen. Setzen Sie Häkchen vor „Web server“ und „SSH server“, um den Apache-Webserver und den Open-SSH-Server zu installieren.
**Schritt 3:** Nach Abschluss der Installation startet das System nach einem Klick auf „Weiter“. Auf Ihrem Arbeitsrechner stellen Sie eine SSH-Verbindung für die Fernwartung her. Umsteiger von Ubuntu sollten beachten, dass Debian den Befehl sudo standardmäßig nicht verwendet. Wenn Sie administrative Rechte benötigen, geben Sie nach der Anmeldung mit einem Standardkonto **su -** ein und dann das bei der Installation vergebene root-Passwort. Danach können Sie – wie von Ubuntu gewohnt – beispielsweise
`apt update && apt upgrade`
verwenden oder Software mit **apt install** \[Paketname\] installieren.
## NAS-Systeme für den Server
NAS-Distributionen verwenden einen schlanken Linux- oder Free-BSD-Unterbau und erleichtern die Konfiguration mit einer Weboberfläche. Dienste für Dateifreigaben stehen im Mittelpunkt, einige Systeme bieten jedoch Erweiterungen, um fast beliebige Webanwendungen einzurichten. Es gibt jedoch kleinere Einstiegshürden, weil Sie sich zuerst mit den Besonderheiten des jeweiligen Systems befassen müssen.
**Xigma NAS** (https://xigmanas.com) basiert auf Free BSD und unterstützt Dateifreigaben unter anderem über CIFS/SMB (Samba), SFTP und NFS. Weitere Dienste stehen etwa für einen Mediaserver (DLNA/UPnP), Webserver oder Syncthing (siehe Artikel ab Seite 32) zur Verfügung. Xigma NAS lässt sich in Virtualbox oder auf einem PC mit 64-Bit-CPU installieren. Das System benötigt nur wenig Speicherplatz, weshalb ein USB-Stick mit 8 GB oder eine kleine SSD ausreichen. Zusätzliche Festplatten dienen dann als Datenspeicher. Eine ausführliche Dokumentation in englischer Sprache finden Sie unter www.xigmanas.com/wiki/doku.php.
**Open Media Vault** (OMV, www.openmedia vault.org) verwendet Debian als Basis und bietet Dienste für den Dateitransfer über SMB/CIFS (Samba), SFTP (SSH) und NFS. Mit Erweiterungen lässt sich der Funktionsumfang vergrößern, beispielsweise für DLNA-Medienstreaming. Das System kann auch Docker nutzen, womit sich die Anzahl der möglichen Serverdienste deutlich erhöht (siehe Artikel ab Seite 26). Die Installation läuft ähnlich wie bei Xigma NAS ab. Als Installationsziel eignen sich USB-Sticks oder kleine SSDs. 16 GB genügen, empfohlen sind aber 128 GB. Die ausführliche Dokumentation in englischer Sprache lesen Sie unter https://docs.openmediavault.org.
**Unraid** (https://unraid.net) ist eine kostenpflichtige Software, die Dateifreigaben unter anderem über SMB, NFS und FTP unterstützt. Stand Juni 2025 kostet die preisgünstigste Lizenz 49 Dollar. Der Schwerpunkt der Software liegt bei der Nutzung von Diensten in Docker-Containern und der Bereitstellung virtueller Maschinen im Netzwerk. Sie können eine 30-Tage-Testversion mit vollem Funktionsumfang ausprobieren, wofür ein Konto beim Anbieter und ein Aktivierungsschlüssel erforderlich sind. Unraid benötigt als Installationslaufwerk einen USB-Stick ab 32 GB. Die Installation auf anderen Laufwerken wird nicht unterstützt. Die Lizenz ist dann an den USB-Stick gebunden. Linux-Nutzer laden ein ZIP-Archiv über https://docs.unraid.net/unraid-os/download_list herunter und extrahieren es auf einen FAT32-formatierten Stick (siehe https://docs.unraid.net/unraid-os/getting-started/manual-install-method).
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